Keine Angst vor Fehlentscheidungen
Störungen, Krisen und Unsicherheiten: Unternehmen werden heutzutage mehr denn je mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Wer aus Angst vor einer falschen Entscheidung lieber gar nicht entscheidet, riskiert die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens.
Entscheidungen entstehen immer unter Unsicherheit
Gerade Unternehmenslenker*innen stehen täglich vor Entscheidungen, bei denen nicht alle Informationen vorliegen. Märkte verändern sich, Kunden verhalten sich anders als erwartet, politische Rahmenbedingungen verschieben sich:
Wer Verantwortung trägt, kennt diese Fragen:
- Soll ich investieren oder lieber noch abwarten?
- Transformieren wir jetzt oder schieben wir die Entscheidung ins nächste Jahr?
- Besetzen wir den Innovationsleiter jetzt? Suchen wir intern oder extern?
- Haben wir als Organisation überhaupt den Willen und Mut Innovationen zu treiben?
- Eine Entscheidung zu treffen bedeutet nicht, zwischen richtig und falsch zu wählen. Stattdessen bedeutet es, anhand der zum aktuellen Zeitpunkt verfügbaren Informationen zwischen mehreren plausiblen Optionen abzuwägen. Genau diese Fähigkeit entscheidet darüber, ob eine Organisation auch unter Unsicherheit handlungsfähig bleibt. Das ist anstrengend, kann sogar mit Schmerz verbunden sein.
In dem Moment, in dem die Entscheidung getroffen wird, existiert die Zukunft noch nicht. Niemand weiß mit Sicherheit, welche Konsequenzen eintreten werden.
Wer in solchen Situationen auf absolute Sicherheit hofft, entscheidet sich im Zweifelsfall gar nicht. Aus Angst vor einer falschen Entscheidung, die dem Unternehmen langfristig schaden könnte: eine sogenannte Fehlentscheidung.
Das ist nur die schlimmste aller Entscheidungen, die man treffen kann. Denn eine Nicht-Entscheidung ist auch eine Entscheidung: Die Entscheidung für Stillstand!
Doch warum haben wir überhaupt so eine Angst vor einer Fehlentscheidung?
Schuld daran ist unser Gehirn.
Evolutionär bedingt neigt es dazu, sich die schlimmste Alternative auszumalen. Das war vor Tausenden Jahren sicherlich sinnvoll, aber heutzutage ist das hinderlich, weil es uns im Zweifel lähmt.
Und wie Sie bereits wissen: Keine Entscheidung zu treffen ist ebenfalls eine Entscheidung. Wer dauerhaft abwartet, gestaltet nicht und gefährdet damit langfristig die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens.
Deshalb lohnt es sich, eine Fehlentscheidung nüchtern als das zu betrachten, was sie ist: eine Entscheidung, deren Ergebnis anders verläuft als erhofft. Nicht mehr und nicht weniger.
75% aller Entscheidungen sind zum Zeitpunkt, zu dem sie getroffen wurden, absolut richtig
Im Rückblick finden sich fast immer Argumente dafür, warum eine andere Entscheidung die bessere gewesen wäre. Doch genau darin liegt das Problem: Wir bewerten Entscheidungen häufig mit dem Wissen von heute und nicht mit dem Wissen, das zum Zeitpunkt der Entscheidung tatsächlich verfügbar war.
Dabei haben Untersuchungen gezeigt, dass Entscheidungen in dem Moment, in dem sie getroffen werden, zu 75 Prozent absolut richtig sind. Und das dürfen wir uns bewusst machen. Wir entscheiden also in aller Regel für uns richtig.
Trotzdem wird später häufig so getan, als wäre das Ergebnis vorhersehbar gewesen.
Doch die Qualität einer Entscheidung bemisst sich nicht allein am Ergebnis. Sie bemisst sich auch daran, wie sorgfältig Informationen eingeholt, Perspektiven berücksichtigt und Risiken abgewogen wurden.
Mit anderen Worten:
Eine Entscheidung kann gut getroffen worden sein und trotzdem zu einem unerwünschten Ergebnis führen.
Und umgekehrt kann eine schlechte Entscheidung zufällig erfolgreich ausgehen.
Sobald wir wissen, wie etwas ausgegangen ist, erscheint vieles plötzlich logisch und offensichtlich. Was vorher unsicher war, wirkt im Nachhinein eindeutig.
Genau deshalb sind wir nach einer Entscheidung oft deutlich kritischer mit uns selbst als nötig. Damit verhalten wir uns gegenüber uns selbst nicht fair, denn wir betrachten die Situation mit zusätzlichem Wissen, das uns zum Entscheidungszeitpunkt gar nicht zur Verfügung stand.
Der richtige Umgang mit Fehlentscheidungen
Natürlich bedeutet das nicht, dass Entscheidungen nicht reflektiert werden sollten. Im Gegenteil. Gerade aus Situationen, die nicht den gewünschten Verlauf genommen haben, können wir besonders viel lernen. Und genau diese Lernfähigkeit ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für Zukunftsfähigkeit. Denn Organisationen entwickeln sich nicht dadurch weiter, dass sie Fehler vermeiden, sondern dadurch, dass sie aus ihnen lernen.
Um mit Fehlentscheidungen konstruktiv umzugehen und daraus zu lernen, helfen die 5 V’s der Fehlerkultur:
Verstehen
Machen Sie sich bewusst, mit welchen Informationen Sie damals entschieden haben. Beurteilen Sie die Entscheidung nicht ausschließlich aus heutiger Sicht.
Verantwortung
Niemand trifft ausschließlich perfekte Entscheidungen. Stehen Sie zu Ihren Entscheidungen, auch wenn sie sich später als nicht optimal herausstellen. Das gehört zum Führungsalltag dazu. Wichtig ist, dass Sie sich auch darum kümmern, eine falsche Entscheidung zu korrigieren.
Verarbeiten
Akzeptieren Sie, dass Fehlentscheidungen normal sind. Sie zeigen lediglich Entwicklungsbedarf.
Verbessern
Was würden Sie beim nächsten Mal wieder so tun? Und was könnten Sie künftig anders machen?
Verwerten
Würdigen Sie kritische Perspektiven und justieren Sie den Kurs.
Wer führen will, muss entscheiden. Und wer entscheidet, wird nicht immer richtig liegen. Niemand trifft bewusst eine falsche Entscheidung.
Viel wichtiger ist der Umgang mit Entscheidungen, die nicht zum gewünschten Ergebnis geführt haben.
Zukunftsfähige Organisationen zeichnen sich nicht dadurch aus, dass sie keine Fehler machen, sondern was sie daraus lernen.
Wer Verantwortung trägt, muss entscheiden. Nicht immer mit vollständigen Informationen, aber immer mit Blick auf die Zukunft der Organisation.
Im Executive Sparring⁺ unterstützen wir Unternehmenslenker:innen dabei, Entscheidungen zu reflektieren, Perspektiven zu erweitern und wirksam zu führen.


